Die deutsch-französische Freundschaft ist zurück, „Industrie 4.0“ (D) und „Industrie der Zukunft“ (F) sollen enger kooperieren und gemeinsam Probleme lösen. Eine gute Nachricht. Heute, Dienstag 27.10.2015, soll dies im Élysée als Absichtserklärung unterzeichnet werden. Gut so. Wirtschaftsminister Macron sagte im Vorfeld: „Wir wollen alle Barrieren für den europäischen digitalen Binnenmarkt beseitigen“. Auch gut.

Aber wie steht es mit den Barrieren innerhalb Deutschlands? Den Barrieren für Industrie 4.0? Die ICILS-Studie der OECD hat die computer- und informationsbezogenen Kompetenzen von SchülerInnen der Jahrgangsstufe acht getestet. Die Studie zeigte deutlich, dass unser Bildungssystem nicht in der Lage ist, seine AchtklässlerInnen auf das digitale Zeitalter vorzubereiten. Digitale Medien werden in Deutschland im Vergleich am wenigsten im Unterricht integriert.

Özcan Mutlu, der Sprecher für Bildungspolitik der Fraktion Bündnis90/Die Grünen im Bundestag bringt es auf den Punkt: „Seit dem Dotcom-Boom hat sich unsere Gesellschaft grundsätzlich verändert. Wir führen aber immer noch Diskussionen darüber, ob die Schule digitalisiert werden sollte. Wie kann es sein, dass die Schule eine analoge Insel in einem digitalen Ozean ist, wenn bereits die ersten Generationen der digital natives Einzug gehalten haben?“

Industrie 4.0 – das Thema verkommt zu einer Floskel, wenn junge Menschen am Berufsstart nicht über entsprechende Kompetenzen verfügen. Keiner kann bestreiten, dass eine digitalisierte Schule ganz andere Förderungsmöglichkeiten bietet, auch im Hinblick auf die Chancengleichheit. Denn Schüler aus einkommensschwachen Familien haben meist nicht die IT Ausstattung, wie sie in fast jedem Kinderzimmer in den Landkreisen Starnberg, Hochtaunuskreis, München oder Main-Taunus-Kreis zu finden sind. Die Digitalisierung ist eine große Chance für die inklusive Bildung.

Wir können und müssen mit Hilfe der Digitalisierung den Schulterschluss zwischen Schule und Industrie herstellen. Durch unternehmerische Praktika, durch Innovationen im Lehrplan – und vor allem durch den Abbau von Angst in Deutschland vor einer zunehmend digitalen Gesellschaft.

Frei nach Derek Bok, dem langjährigen Präsidenten von Harvard: „Wenn Du glaubst, dass Digitale Bildung zu teuer ist, versuche es mit Digitaler Ignoranz“.

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